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Veröffentlicht von Franziska Wernet | Jan 18, 2017 | | 4 MIN LESEZEIT

Spotlight Interview mit Elena Paschinger von KreativReisen Österreich

Wie in unserem Reisetrend-Bericht 2017 bereits festgestellt, ist es dem heutigen Reisenden immer wichtiger, bei seinen Reisen etwas intensiv zu erleben und es nicht nur oberflächlich als typischer Tourist wahrzunehmen.

Elena Pschinger Kreativreisen Österreich

Hier sind Schlagworte wie: Kontakt zur einheimischen Bevölkerung, direktes Eintauchen in den Alltag der Einheimischen, Storytelling, Authentische Erlebnisse und auch Kreativtourismus zu nennen. 

Wir haben mit Elena Paschinger, Reise-Bloggerin, Tourismus-Beraterin und Kreativreisenden, genau über dieses Thema gesprochen und wollten wissen, was genau bedeuten diese verschiedenen Ansätze für den heutigen Tourismus und insbesondere für Sie als Touren- und Aktivitäten-Anbieter. 

Was genau verstehst du selbst unter Kreativ-Tourismus?

 

Kreativ-Tourismus, oder kreativ zu reisen, ist für mich vor allem mit Offenheit, Neugierde und der Bereitschaft für eine echte Lernerfahrung verbunden. Dabei gilt es, die Kultur einer Region, einer Stadt, eines Landes, auf interaktive und unterhaltsame Art und Weise direkt vermittelt von den Einheimischen selbst, kennen zu lernen.

Ein schönes Beispiel dafür ist mein jüngster Reisebericht von der „Kreativ-Insel“ Salt Spring Island in der Nähe von Vancouver, Kanada, wo ich dank vielfältiger, partizipativer Reiseerfahrungen auf echte Tuchfühlung mit den Einheimischen gehen konnte: http://www.creativelena.com/reiseblog/fuenf-gute-gruende-fuer-den-besuch-von-salt-spring-island-bei-vancouver-british-columbia/ 

Wann hast du mit deinem Blog gestartet und was war deine Intention?

Mit meinem Blog http://www.creativelena.com bin ich im Oktober 2012 ans Netz gegangen; gebloggt bzw. über Reisen berichtet habe ich jedoch schon seit meiner Jugend, stets um Freunde & Familie informiert zu halten.

Als ich mich vor Jahren selbstständig gemacht habe, wusste ich, meine Firmenwebsite wird keine statische werden: So war von Anfang an der Anreiz da, mit meinem Reiseblog auch über Projekte, Ideen, Netzwerke & Konferenzen zu berichten sowie die Reisebericht-erstattung sehr professionell, wenngleich auch persönlich, zu halten. Nach mittlerweile gut 1.000 Einträgen am Blog (in deutscher wie englischer Sprache!) ist mir denke ich schon viel gelungen!  

Creativelena Bildersammlung

(Quelle: http://www.creativelena.com)

Wo siehst du die großen Unterschiede eine Region als Kreativtourist zu besuchen, im Gegensatz zu einem konventionellen Reisenden?

Konventionell Reisende machen sich nicht die Mühe, sich stundenlang bei einem Workshop, einem Kurs, einem interaktiven Kultur-Event und dergleichen aufzuhalten: Das klassische Sightseeing sowie der Strandurlaub reichen für die meisten da völlig aus.

Als Kreativ-Reisende jedoch will ich mich auf die Ebene der lokalen Bevölkerung begeben, will verstehen, begreifen, riechen und schmecken, worum es in Barcelona, in Thailand, in Neuseeland oder in Nepal geht. Ich involviere mich stärker, frage nach, probiere selbst Dinge aus, und lerne: „Life-seeing instead of sightseeing“, wie es auch der Untertitel meines Buches „The Creative Traveler’s Handbook“ so schön wiedergibt. Das ist für mich persönlich viel bereichernder, spannender, und einfach die nachhaltigere Form zu reisen.

Was gehört für dich zu jeder Reise dazu? Gibt es so etwas überhaupt oder lässt du dich voll und ganz auf das ein, was du erleben wirst?

Auf jeder Reise dabei habe ich meine Kamera, (mindestens) einen Reiserucksack, sowie ganz viel Freude, Offenheit und Intuition beim Umgang mit den Menschen die mir begegnen.

Materielle Dinge wie die richtige Kleidung, Ausrüstung, auch Versicherung und Reiseunterlagen JA, selbstverständlich, aber noch viel wichtiger ist es, die richtige Einstellung zum Reisen im Gepäck zu haben. Immer wieder passieren mir die besten Dinge, wenn ich mich „vom Weg abbringen lasse“, mir noch einen halben Tag oder Tag Zeit für etwas, das mir soeben erst empfohlen wurde, Zeit nehme und mich von den besten Tipps der Einheimischen vor Ort „entführen lasse“.

Wie wichtig ist für dich das Thema der Nachhaltigkeit, wenn du auf Reisen gehst? Was sind für dich nachhaltige Aspekte, auf die du bei deinen Reisen Wert legst?

Zum Thema Nachhaltigkeit ist mir wichtig, wie das Unternehmen geführt wird, über das ich berichte und das ich näher kennenlernen möchte. Das heißt: Wie ist der Umgang mit den Ressourcen vor Ort? Wie ist die Mitarbeiterführung, spüre ich ein harmonisches Ganzes, arbeiten alle zum selben hin, ist Einheit gegeben? Was tut das Unternehmen, der Einzelne, die Gemeinschaft, für die Umwelt? Und wo erkenne ich selbst, wie ich einen Beitrag leisten kann?

All dies sind Dinge, die mir spontan dazu einfallen: Es ist je nach Land und Reise-Situation natürlich unterschiedlich, wieviel oder was man tatsächlich beitragen kann, aber irgendetwas findet sich immer, am eigenen Reisen sowie an den Umweltbedingungen vor Ort zu verbessern.

Partizipativer Tourismus, d.h. sich auch vor Ort aktiv einbringen - in den Alltag eines Einheimischen schlüpfen oder eine typische Tätigkeit ausüben. Was war dein bestes Erlebnis mit einem Einheimischen?

Das fällt mir ganz schwierig, zu sagen und auf „ein bestes Erlebnis“ herunter zu bringen, denn solche starken, schönen und zum Teil auch lebensverändernde Begegnungen habe ich fast ständig!

Dazu gehört in jüngsten Jahren sicherlich auch, Kraft meiner vielen Reisen neue Sprachen wie Portugiesisch, Katalanisch oder Italienisch gelernt zu haben, aber auch, mitunter ein als Touristenmekka abgestempeltes Reiseziel wie Banff in den Rocky Mountains aus der wundersamen, sehr persönlichen Sicht von Freunden & Familie zu erleben (siehe dazu meinen jüngsten Reisebericht aus Kanada: http://www.creativelena.com/reiseblog/das-banff-mountain-film-book-festival-weitere-reise-highlights-in-den-kanadischen-rockies/ ).

Welche Rolle spielt Storytelling in der touristischen Angebotsentwicklung und wie kann man es als Aktivitäten-Anbieter geschickt mit einbauen?

Storytelling besteht seit Menschengedenken und ist aus dem modernen Zeitalter der globalen Kommunikation nicht mehr wegzudenken. Denn selbst oder gerade im Zeitalter millionenfacher Reisevideos, Blogeinträge und atemberaubender Fotos aus aller Welt gilt es, sich gegenüber der Frage durchzusetzen: „Wenn heute jeder großartige Stories in diversen Formaten publizieren kann, warum soll ich genau DEINER MESSAGE ZEIT WIDMEN?“ Die Antwort auf diese Frage muss lauten:

Great content will always be shared“.

Das heißt, guter Content wird immer seinen Weg zum Zielpublikum finden; dazu gehört auch, sich als Storyteller Gedanken darüber zu machen, WO die Zielgruppe unterwegs ist, zu der die Geschichte passt. Also nicht einfach auf x-beliebigen Kanälen hinausposaunen, sondern sehr gezielt bei der touristischen Angebotsentwicklung vorgehen: In welchen Kreisen diskutiert mein Zielpublikum das Produkt, das ich gerne vermarkten möchte, und wie? Welche Art von Storytelling passt hier am besten dazu, um diese Leute zu erreichen und abzuholen? Das sind wichtige Fragen, die sich Aktivitäten-Anbieter stellen müssen.

Creativelena Yoga vor Bergkulisse

(Quelle: http://www.creativelena.com)

Welche Rolle spielt für dich Social Media (welche Kanäle nutzt du? wie häufig?) und was kannst du Anbietern hierbei als Tipps mit auf den Weg geben?

Social Media ist für mich ein essentieller Weg, meine Gedanken, Ideen und Projekte am Markt vorzustellen. Was ich an Social Media insbesondere schätze, ist das duale Kommunikationsprinzip: Meinungen meiner Leser, Kunden und Partner beeinflussen und beflügeln meine eigene Entwicklung, Kreativität und Netzwerk, und bringen diese Schritt für Schritt gemeinsam weiter; es ist fantastisch, welche Kooperationen sich bereits über eine vermeintlich flüchtige Kontaktaufnahme via Instagram, Facebook oder den Blog selbst ergeben haben!

Persönlich nutze ich Facebook, Twitter, Instagram, Flickr (ein Foto-Portal, das mir stark SEO-mäßig zuarbeitet), YouTube, Pinterest sowie natürlich den Blog selbst sehr intensiv, und poste eigentlich jeden Tag mehrfach Nachrichten, bzw. nehme Teil an den unterschiedlichsten Diskussionen, Gesprächen und Meinungen im Netz. Dies ist längst zu meinem aktiven Kommunikationsalltag geworden, ich differenziere hier kaum mehr zwischen privat und beruflich, sondern BIN einfach. Aktiv. Interessiert. Und viel unterwegs ☺

 

Welche Tipps kannst du Anbietern von Touren, Aktivitäten, Kursen, Touren, etc. mit auf den Weg geben, Angebot nach kreativ-touristischen Aspekten zu gestalten?

Dazu möchte ich meine Reisekategorie am Reiseblog, http://www.creativelena.com/reiseblog/kreativ-reisen/ sowie auch meine Rubrik http://www.creativelena.com/projektwerkstatt/touristische-angebotsentwicklung/ mit vielen Beispielen, Tipps und Ideen vorstellen, die sich Anbieter holen können um kreativ-touristische Entwicklungsschritte zu setzen. Gerne stehe ich hier auch für persönliche, gezielte Rückfragen zur Verfügung!

Welche Herausforderungen siehst du im Allgemeinen im Tourismus für die nächsten Jahre?

Der Tourismus wird weiterwachsen, keine Frage; womit wir uns auseinander setzen sollten, ist die Tiefe & Qualität der Erfahrungen, die wir beim Reisen haben. Es ist verlockend, eine Liste mit Destinationen weltweit zu bereisen bis ... aber wenn diese Erfahrungen oberflächlich bleiben, hat man meiner Meinung nach das wahre Reisen, das Aufbrechen und das Sich-Einlassen auf fernes Gedankengut, Andersartigkeit und Inspiration verpasst. Und das ist schade! Hier würde ich mich Kraft meiner eigenen Erfahrungen, meines kreativen Netzwerkes und meiner vielen, weltweiten Tätigkeiten einsetzen, dass wir mehr und mehr zu dem Qualitätstourismus finden, den wir als vernetzte, globale und intelligente Gesellschaft im 21. Jahrhundert grundsätzlich leben sollten.

 

Sehen Sie sich auf die Aufnahme des Webinars mit Elena zum Thema Kreativtourismus und (digitales) Storytelling an. 

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Franziska Wernet
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Franziska studied tourism and geography and loves to travel mainly across Europe to discover beautiful hiking spots.
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