Wie berechne ich meinen Deckungsbeitrag?

Veröffentlicht von Philippe Willi on Jun 17, 2015

Wenn man als Aktivitätenanbieter, Anbieter von Erlebnissen oder Touren an den Start geht, gibt es eine relevante Messgrösse aus finanzieller Sicht: der Deckungsbeitrag. Es gibt verschiedene Varianten den Deckungsbeitrag zu berechnen, für den Tourenanbieter gibt es aber nur einen relevanten Kontext: den Deckungsbeitrag pro Aktivität, Tour oder Erlebnis. Warum ist dieser so wichtig? Nun weil dieser eigentlich aussagt in % und in einem Geldbetrag, wieviel eine Aktivität, Tour oder ein Erlebnisangebot an die allgemeinen Fixkosten/Gemeinkosten beisteuert. Hier einmal ein Beispiel: 

- River Rafting Tour in Interlaken, Endverkaufspreis: CHF 99.- 
- abzgl. Verkaufsprovisionen und Rabatten, ca. 10 %
= Netto-Verkaufspreis: CHF 89.10 
- abzgl. Guidekosten
- abzgl. variablen Materialkosten (Bootsreparaturen, Ersatz)
- abzgl. Transportkosten
- abzgl. Versicherungskostenanteil (Haftpflichtversicherung des Veranstalters)
- abzgl. was auch immer variabel im Kontext zur Tour steht (Kosten stehen in der direkten Relation zur Tour)
= Netto-Deckungsbeitrag in Geldbetrag oder auch in %

Die obenstehend umschriebenen Kosten sind allesamt variabel und sollte immer eine direkte Relation zur Tour oder Aktivität haben. Ansonsten sind sie nicht variabel. Im Grundsatz sind wir der Meinung, dass Beispielsweise Marketing Kosten, Mietkosten, Sachversicherungskosten etc.allesamt NICHT variabel sind, sondern zu den Gemeinkosten (allgemeingen Kosten) gehören. Zudem sind effektiv nur die Guidekosten direkt ab zu ziehen, nicht aber beispielsweise Kosten vom Sekretariat oder vom Management der Firma. Ich würde folgenden "sweet spot" definieren (sweet spot = guter Bereich) für Anbieter von Aktivitäten: 

Deckungsbeitrag in % = im Bereich zwischen 25 % bis 50 %

Wenn man also nach dem durchrechnen seines Trip Rapports feststellt, dass man auf einen solchen Deckungsbeitrag gelangt, dann ist alles gut. Bravo! Danach muss man eigentlich nur noch darauf achten, dass man genügend Touren, Aktivitäten oder Erlebnisse durchführen kann, um die aktuellen Gemeinkosten/Fixkosten zu bezahlen. Damit man den Breakeven erreicht als Tourenanbieter gilt die folgende Formel: 

Anzahl Gäste (PAX) * durchschn. Deckungsbeitrag pro Gast = Fixkosten/Gemeinkosten der Firma

Die Anzahl der Gäste kann natürlich nur erreicht werden, wenn genügend Angebote und Touren vorhanden sind. Als durchschnittlichen Verkaufspreis pro Gast (also der Endkundenpreis) sehen wir bei vielen Kunden von uns, dass sich dieser am besten zwischen CHF 100 und CHF 200 bewegen sollte. Es ist nicht ratsam, ein Angebot zu teuer an zu bieten, da Erlebnisse, Aktivitäten und Touren vielfach als sog. "Spontankauf" getätigt werden und in diesem Preissegment ist dies noch möglich. Zudem konvertieren in diesem Preissegment E-Commerce Transaktionen gut. 

Bezüglich der Gestaltung eines Kontoplans, macht folgender Ansatz Sinn: 
- 3000er Konten = Ertragskonti und Provisionskonti
- 4000er Konten = alle Trip / Touren variablen Aufwandskonti = zu nahezu 100 % variabel
- 5000er Konten = alle Personalaufwendungen = teilweise variabel
- 6000er Konten = ein grosser Teil aller Gemeinkosten = nahezu fix (aus unserer Betrachtungsweise) 

BEISPIEL VON EINER TRIPKALKULATION UND VON EINER DECKUNGSBEITRAGSRECHNUNG FINDEST DU HIER 

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Philippe Willi

Geschrieben von Philippe Willi

Philippe is Co-founder and COO/CFO of TrekkSoft. He is also a serial entrepreneur and board member of Divio Ltd., a Swiss-based internet agency in Zurich.

Themen: Marketing tips

   

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